Das Lernen lernen
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Einleitung:
Unser Gehirn ist in der einzigartigen Lage, Dinge aufzunehmen und
auswendig zu lernen, ohne sie zu kapieren. So bist du in der Lage, einen
lateinischen Text fließend zu lesen, ohne dabei auch nur ein Wort zu
verstehen. Genauso bist du in der Lage, eine Regel auswendig zu lernen,
ohne zu begreifen, worum es eigentlich geht und wie sie angewendet wird.
Das aber ist ja nicht der Sinn der Sache.
Wenn du Grammatikregeln lernst, ist es sinnlos, sie bloß zu lesen
oder wortgetreu auswendig zu können. Eine Regel auswendig können
heißt, sie mit eigenen Worten und Beispielen darstellen können.
Im Grammatikteil deines Schulbuchs sind die verschiedenen Grammatikregeln
übersichtlich geordnet. Wenn du eine Regel lernen willst, gehe wie
folgt vor:
- Die Regel überfliegen: Wie ist sie aufgebaut?
Normalerweise enthält eine Regel:
- die Überschrift;
- einen Text zur Erläuterung, wie die Regel gebraucht wird;
- Beispielsätze;
- eine Erläuterung der grammatischen Konstruktion;
- weitere Hinweise auf Ausnahmen, Verwechslungsgefahren usw.
- Die Regel mit eigenen Worten erläutern
Nachdem du dir einen Überblick verschafft hast, liest du dir
jetzt den Text durch, der die Regel erläutert. Versuche, den Text
durch eine Skizze wiederzugeben.
- Vergleich der Erläuterung mit den Beispielsätzen in der
Regel
Lies die Beispielsätze laut vor, betone dabei das, worauf es
ankommt, sowohl in der Fremdsprache als auch in der deutschen Wiedergabe.
- Schaue dir die Erläuterung der grammatischen Konstruktion an und
vergleiche jetzt die Konstruktion mit den Beispielsätzen.
- Erfinde eigene Beispielsätze aus deinem Alltagsleben
Lasse diese Sätze von einem Freund, deinen Eltern oder sonst wem
kontrollieren, wenn du dir unsicher bist.
- Spiele selbst Lehrer: Erläutere die Regel!
Wenn du eine Regel verstanden zu haben glaubst, dann schreibe einen
Beispielsatz auf ein großes Papier. Hänge das Papier auf und
erläutere nun auswendig, sozusagen in einem Vortrag, die Regel. Das
kannst du allein in deinem Zimmer tun oder vor deinen Eltern. Dann hast du
gleich eine Rückmeldung, ob du verständlich erklärt und
damit den Stoff verstanden hast. So kannst du zu Hause schon die von vielen
gefürchtete "Tafelsituation" vorwegnehmen.
- Immer nur eine Regel zur Zeit
Damit die Ähnlichkeitshemmung (Interferenz)
ausgeschaltet wird, lerne immer nur eine Regel zur Zeit:
- Mehrere Regeln über den Tag verteilen.
- Ausnahmeregeln oder Besonderheiten später am Tag lernen.
- Regeln, die aus mehreren Teilen bestehen, getrennt nach diesen
Teilen lernen.
Manchmal musst du ganze Texte auswendig lernen, z.B. Gedichte. Gehe
dabei folgendermaßen vor:
- Lies dir den ganzen Text durch. Überprüfe dabei, ob du alles
im Text verstehst oder unbekannte Fremdwörter dabei sind.
- Versuche unbedingt, dir die gesamte Handlung vor dem geistigen Auge
vorzustellen, so als ob du innerlich einen Film siehst.
- Wiederhole den Inhalt der Geschichte oder des Textes mit eigenen
Worten.
- Überprüfe anhand des Textes, ob du ihn richtig wiedergegeben
hast: Stimmt der Inhalt? Stimmt die Reihenfolge des Erzählten?
- Teile jetzt den Text in Absätze ein.
- Lerne den ersten Absatz auswendig. Lies dir dazu den Absatz noch
einmal durch, damit du noch mal weißt, worum es geht. Dann nimm dir
den ersten Satz vor.
Viele Sinne benutzen!
Auswendig lernen geht dann am besten, wenn wieder möglichst viele
Sinne beteiligt sind:
- Stelle dich hin, damit du frei atmen kannst!
- Nutze deine Stimme, um bestimmte Wörter zu betonen oder
lautmalerisch zu unterstreichen (z.B. das Wort "groß" mit tiefer
Stimme und langem "oooo" sprechen).
- Benutze deine Hände und Arme (Gestik) und dein Gesichtsspiel
(Mimik), um den Inhalt des Textes mit deinem Körper zu zeigen (ganz
so wie im Alltag, wenn du z.B. einen guten Freund mit den Worten
begrüßt: "Hallo Dieter!", dabei ein freudestrahlendes Gesicht
aufsetzt und die Arme freudig ausbreitest.
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