Das Lernen lernen
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Übersicht
- Warum überhaupt mitschreiben ?
- Zwei Verfahren des Mitschreibens
- Mitarbeit
1. Warum überhaupt mitschreiben ?
In einer Doppelstunde sagt ein Lehrer, den man nicht unterbricht, zwischen
5.000 und 9.000 Wörter, führt höchstens zwei Dutzend neue
Tatsachen ein und versucht, vielleicht ein halbes Dutzend Kerngedanken zu
vermitteln. Der Rest sind Erläuterungen, Beispiele,
Veranschaulichungen, Wiederholungen, sprachliches Füllmaterial, auch
missglückte Formulierungen, Floskeln, weitergesponnene Gedanken
und sicher auch manches Überflüssige. Für den Lehrer ist
diese Mischung gar nicht schwer, denn er hat (hoffentlich) eine klare
Struktur seiner Stunde vor Augen. Er weiß zu jeder Zeit, was
Kernsätze sind und was Abschweifungen. Für den Lernenden ist das
natürlich anders, so dass es kommt, dass er manchmal den
Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.
Ein Fach jedoch, in dem man auf Dauer "überhaupt nichts mitbekommt",
gibt es nicht. Die entscheidende Frage, die man nur für sich selbst
beantworten kann, ist vielmehr, wie viel Energie man zu investieren bereit
ist, um auf Dauer "etwas mitzubekommen". Wichtig ist dabei in jedem Fall,
die Zusammenhänge dessen zu erkennen, was man lernen will, soll oder
muss. Dass Mitschriften eine Hilfe gerade beim
Überbrücken von "Durststrecken", aber natürlich auch
langfristig gesehen fachlich wertvoll sein können, zeigt das folgende
Schaubild. Man muss es links oben beginnen und dann im Uhrzeigersinn
lesen:
Beim Mitschreiben ist das Endprodukt eigentlich gar nicht wichtig. Es hat
nur einen Sinn, wenn es den Vorgang des Strukturierens unterstützt.
Eine gute Aufzeichnung ist wie ein guter Fleischextrakt: Isoliert ist sie
ungenießbar, aber aufgefüllt mit den eigenen Erinnerungsspuren
und dem vorhandenen Wissensbestand ergibt sich im Idealfall wieder das
Ausgangsprodukt. Wer die Aufzeichnungen selbst erstellt hat, muss mit
ihrer Hilfe bei Bedarf den ursprünglichen Text ausreichend
detailliert wieder rekonstruieren können.
"Anfänger" tun sich hier oft schwer und machen typische Fehler:
- sie benutzen gebundene Hefte, in die sich nichts nachtragen
lässt;
- sie verwenden ungeeignete Papierformate (schlecht archivierbar!);
- ihre Notizen sind unübersichtlich und ungegliedert (sie wandern
schnell in den Papierkorb);
- sie schreiben alles mit, verstehen in Wirklichkeit überhaupt
nichts und vergessen später alles;
- sie schreiben nichts mit, verstehen anscheinend alles und wissen
später ebenfalls nichts.
Ich möchte nun ganz deutlich sagen, dass das Ziel nicht sein
kann, ständig mitzuschreiben, denn zu viel hält vom
Mithören und Mitreden ab. Was ich aber beobachte, ist, dass sehr
viele Schülerinnen und Schüler von sich aus gar keine Neigung an
den Tag legen, überhaupt etwas mitzuschreiben - und das ist der
sicherste Weg, den Unterricht wie eine Nebelbank an sich
vorüberziehen zu lassen.
Um etwas zu lernen, muss mein Gehirn es fixieren, und da das Gehirn
neuen Lernstoff meistens nicht sofort codiert, muss
ich es zu Papier bringen, um es später nochmals zu verarbeiten
(memorieren). Wer das Geschehen nicht für sich festhält,
für den ist es verloren. Es bleibt nur eine vage Erinnerung, die zum
genauen Merken kaum mehr taugt, und zum wiederholenden Lernen (z.B. als
Vorbereitung auf Prüfungen) überhaupt nicht!
Kontinuierliches Mitschreiben dagegen ermöglicht im Laufe der Zeit den Aufbau einer Kartei, die im Folgenden eine Fülle von Aufgaben wahrnehmen kann:
2. Zwei Verfahren des Mitschreibens
Im Folgenden stelle ich zwei Verfahren der Unterrichtsmitschrift vor. Das
erste ist die traditionelle Methode des "linearen Mitschreibens", die man
an Schulen und Universitäten meistens kennen lernt und praktiziert.
Ich selbst habe bislang fast ausschließlich damit gearbeitet.
Das zweite Verfahren ("Mind Map") richtet sich an eher visuelle
Lernertypen. Seitdem ich diese Methode kenne, bemühe ich mich
bewusst, damit zu arbeiten, auch im Unterricht, denn mit ihr scheint
es möglich, großen Lernstoff auf wenig Raum so zu
verschlüsseln, dass das Gehirn ihn sich gut und lange merken
kann.
Beide Verfahren schließen einander aber nicht aus. Es
müsste problemlos gelingen, die eine Mitschrift auch
nachträglich noch in die andere zu "übersetzen".
Die lineare Mitschrift
Hier kann ich mir eine "Einführung" - anders als bei der Mind-Map-
Technik - sparen, denn die meisten schreiben "linear" mit, d.h.
zeilenorientiert von oben nach unten.
Grundregeln
Zur übersichtlichen Mitschrift gehören die folgenden Teile:
- Datum der Stunde
- Thema der Stunde
- Tafelmitschrift und/oder Lehrerdiktat
- Hausaufgaben
- Korrektur
- Randsymbole zur Markierung von Besonderheiten
DAS DATUM
Das Datum dient mir als Anhaltspunkt dafür, wann ein bestimmtes Thema
behandelt wurde. Es ist eine Erinnerungsstütze.
THEMA DER STUNDE
Die Benennung des Themas hilft erkennen, worum es in der Stunde geht. Das
erleichtert die Auswahl dessen, was man in der Stunde ins Heft
einträgt und was später zu Hause - bei den Hausaufgaben oder bei
der Vorbereitung einer Klassenarbeit - wiederholt werden muss.
Einer Unterrichtsstunde kann man besser folgen, wenn man weiß,
worauf der Unterricht hinausläuft. Meistens sagen Lehrer das Thema
der Stunde nicht an. Man kann aber seinen Lehrer darum bitten, es in
Zukunft zu tun, damit die Klasse besser im Bilde und damit besser bei der
Sache ist.
Ich selbst als Lehrer bin dazu übergegangen, von mir aus das Thema
und den voraussichtlichen Verlauf einer Stunde meiner Klasse
gegenüber nicht wie ein Staatsgeheimnis zu hüten, sondern am
Anfang der Stunde bekannt zu geben. In Doppelstunden (Oberstufe) schreibe
ich es kurz an die Tafel und hake die erledigten Punkte entsprechend ab.
TAFELMITSCHRIFT und/oder LEHRERDIKTAT
Dies ist der entscheidende Teil der Stundenmitschrift. Hier erscheint, was
Wichtiges an der Tafel steht oder was der Lehrer ausdrücklich
diktiert. Wenn der Lehrer nicht von sich aus sagt, was mitgeschrieben
soll, sollte man nachfragen. Viele Lehrer (mich eingeschlossen) sind von
der Schülerfrage "Sollen wir das mitschreiben?" oft genervt, aber
dies ist eigentlich eine der wichtigsten Schülerfragen
überhaupt. Denn sie ist Ausdruck dafür, dass die
Schüler wirklich das Wichtige mitbekommen wollen.
HAUSAUFGABEN
Zum Schluss der Stunde wird meistens eine Hausaufgabe gestellt. Sie
wird ebenfalls notiert, damit zu Hause nicht erst mühsam in der
Erinnerung gekramt werden muss, was getan werden soll. Es steht dort
also zum Beispiel:
- Buch Lektion 8, Seite 95, Aufgabe 13
- Beschreibe die Unterschiede zwischen Bienen, Fliegen und Käfern.
- Unterstreiche im Text "Der Bauer und der Kaufmann" alle
Substantive.
Lehrerinnen und Lehrer reagieren oft persönlich beleidigt, wenn
Hausaufgaben nicht gemacht werden. Es lohnt sich daher immer, zumindest zu
versuchen, mit den Hausaufgaben so weit wie möglich zu kommen und
dann zu beschreiben, ab wann es nicht mehr ging. So kann der Lehrer
erstens besänftigt erkennen, dass der Schüler sich
bemüht hat, und zweitens, wo dessen fachliches Problem liegt.
KORREKTUR
Dies ist ein ganz wichtiger Teil des Hausheftes: Keine Hausaufgabe
nützt etwas, wenn sie nicht kontrolliert wird! Kontrolle allein aber
genügt auch nicht: Erst mit einer ernsthaften Korrektur von Fehlern
kann man Lernerfolge erzielen. Deshalb sollte man für jede falsche
Hausaufgabe eine Korrektur direkt im Hausheft machen. Denn mit dem
Hausheft sollen später auch Klassenarbeiten vorbereitet werden, und
dann darf nichts Falsches im Heft stehen!
RANDSYMBOLE
Mit kleinen Symbolen am Rande lassen sich wichtige Informationen über
den Unterricht und den Lernstoff schnell und sicher anbringen. Solche
Symbole können sein:
 |
Ich habe den Stoff verstanden. |
 |
Nicht begriffen. Nachfragen! |
 |
Beispielsätze, Beispielrechnungen |
 |
Hier ist mir ein Licht aufgegangen! |
 |
Sehr wichtiger Stoff! |
 |
Definition |
 |
Zusammenfassung |
 |
Hier ergab sich eine Diskussion. |
 |
Hausaufgabe |
Es empfehlen sich auch Strich-Punkt-Männchen. Etwa so:
 |
Hat Spaß gemacht! |
 |
war langweilig; automatisch erledigt |
 |
konnte die Aufgabe nicht gut |
 |
war schwer, hab's aber gepackt! |
Weitere Tipps
Keine wörtliche Mitschrift! Stattdessen:
- Wichtige Punkte, neue Begriffe, 'Überschriften' in Stichworten
- Beispiele, gleichbedeutende Begriffe, Querverweise,
Besonderheiten usw. diesen Hauptpunkten unterordnen
- Die wichtigen Begriffe auch grafisch-optisch deutlich hervorheben
und die Zusammenhänge zwischen ihnen sichtbar werden lassen
- Übersichtlich schreiben, unterschiedliche Wichtigkeit durch
unterschiedliche Schriftgröße verdeutlichen,
unterstreichen, farbig markieren
- Zusammenhänge in grafischer Form strukturieren (Tabelle,
Ablaufdiagramm)
- Nachträgliches Ergänzen, Berichtigen und Verbessern von
Mitschriften, gerade in "Problemfächern"
- Auslassungen oder Lücken in der Mitschrift zu füllen
versuchen
- Kerngedanken zusammenfassen; dabei evtl. Lehrbuch zu Hilfe
nehmen
- von Zeit zu Zeit eigene Aufzeichnungen mit denen anderer
vergleichen: Vorzüge? Nachteile?
- Sehr wirkungsvoll: Testfragen formulieren!
Schema einer linearen Mitschrift
Eine solche Mitschrift könnte also, schematisch gedacht, wie folgt
aussehen:
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Jeder Klick ein Gedanke: Creative MindMAP
Bei Creative MindMAP bringt einen nicht nur das
Preis- Leistungsverhältnis (DM 99,95 unverb. Preisempfehlung) auf andere
Gedanken. Auch die einfache Bedienung macht das Programm zu einer
günstigen Gelegenheit, kreativ- komplexes Denken künftig am PC statt auf
dem Papier bildlich zu strukturieren. Die verzweigten Denkwege ordnet
eine Auto- Layoutfunktion zu einer übersichtlichen "Gedanken- Landkarte".
Sogar Notizen hastiger Brainstormings werden zu einem Vorentwurf
gegliedert. Das Ergebnis kann in jedem Format ausgedruckt werden, z.B.
in DIN A4 als klassisches Handout oder als DIN-A1-Poster. Die
Voraussetzungen für ungehindertes Denken schaffen zahlreiche
Assistenten, die z.B. beim Start notwendige Vorarbeiten erledigen, wie
z.B. die Map- Grundstruktur festzulegen. Außerdem helfen sie, die Texte
zu formatieren oder eines von 3.000 Cliparts in den Plan einzufügen. Mit
vielfältigen Grafik- Werkzeugen lässt sich die Gestaltung weiter
verfeinern. |
Die Mind-Map-Technik
Einführung
Wenn jemand ein Buch beschreibt, das er gelesen hat, oder einen Ort, an
dem er gewesen ist, liest er nicht aus dem Gedächtnis ab. Er gibt
vielmehr nach Schlüsselbegriffen eine Übersicht, indem er die
Hauptpersonen charakterisiert, die Umstände und Ereignisse berichtet
und Detailbeschreibungen einfügt. In entsprechender Weise bringt das
Schlüsselwort oder die Schlüsselphrase ganze Erfahrungs- und
Empfindungsreihen zurück. Man denke zum Beispiel an die
Vorstellungsreihe, die im Geist ausgelöst wird, wenn man das Wort
"Kind" liest.
Da wir es gewohnt sind, uns am gesprochenen und geschriebenen Wort zu
orientieren, haben wir angenommen, dass die normale Satzstruktur der
beste Weg sei, sich an verbale Bilder und Ideen zu erinnern. Daher machen
die meisten Schüler und Studenten ihre Aufzeichnungen in linearer
Form. Neue Erkenntnisse über die Beziehung zwischen
Schlüsselbegriffen und Erinnerung zeigen aber, dass bei dem
linearen Aufzeichnungstyp 90 Prozent der Wörter für
Erinnerungszwecke unnötig sind.
Wie können wir nun das Phänomen der Schlüsselerinnerung
für die Gestaltung unserer Aufzeichnungen nutzbar machen?
Die Grundregeln der Mind-Map-Technik
- Man beginnt mit einem farbigen Bild in der Mitte. Denn "ein Bild
sagt mehr als tausend Worte"; es regt kreatives Denken an und
prägt sich dem Gedächtnis besonders gut ein.
- Auch sonst kann man Bilder in die Mind Map einfügen. Aus denselben
Gründen wie in Regel 1 und um alle Gehirnprozesse zu stimulieren.
- Die Wörter sollten in Druckschrift mit Großbuchstaben
geschrieben werden. Beim Nachlesen gibt die Druckschrift ein
fotografischeres, unmittelbareres und verständlicheres Bild.
Die für diese Schriftart aufzuwendende zusätzliche Zeit
wird durch die Zeitersparnis bei der Auswertung mehr als wettgemacht.
- Die Wörter sollten auf Linien geschrieben und jede Linie mit
anderen Linien verbunden sein. Dadurch wird die Grundstruktur der
Mind Map deutlich.
- Wörter sollten in Einheiten angeordnet sein, ein Wort je Linie.
Das lässt für jedes Wort mehrere offene "Haken" und gibt
den Aufzeichnungen mehr Freiheit und Flexibilität.
- Man verwendet durchgängig Farben. Sie erhöhen die
Übersichtlichkeit und lassen die Zusammenhänge deutlicher
erkennen.
- Bei kreativen Tätigkeiten dieser Art sollte der Geist
möglichst "frei" gehalten werden. Jedes "Nachdenken" darüber,
wohin Dinge gehören oder ob sie überhaupt eingebracht werden
sollen, wird den Prozess verlangsamen. Man sollte alles, woran man
im Zusammenhang mit der Zentralidee denkt, festhalten.
Ein Anwendungsbeispiel
Ich versuche einmal im Ansatz zu zeigen, wie es funktioniert. Vor einiger Zeit war ich Teilnehmer an einem Eltern-Gesprächskreis zum Thema
"Pubertät". Viele verschiedene Dinge kamen zur Sprache, die ich
versucht habe als Mind Map festzuhalten.
Beide Verfahren im Vergleich
Aus der Sicht der Mind-Map-Technik fällt die Kritik am linearen
Verfahren vernichtend aus:
- Es wird Zeit damit vergeudet, Wörter niederzuschreiben, die keinen
Wert für das Gedächtnis haben.
- Es wird Zeit damit vergeudet, dieselben unnötigen Wörter
wieder zu lesen.
- Es wird Zeit damit vergeudet, nach den Wörtern zu suchen, die
Schlüsselfunktion haben, denn sie werden gewöhnlich nicht
hervorgehoben und vermischen sich daher mit anderen, für die
Erinnerung irrelevanten Wörtern.
- Die Verbindungen zwischen den Schlüsselwörtern werden durch
trennende Wörter unterbrochen. Wir wissen, dass das
Gedächtnis auf Assoziation beruht. Jede Einfügung von
erinnerungsneutralen Wörtern wird daher die Verbindungen lockern.
- Die Schlüsselwörter werden durch die Einschaltungen zeitlich
getrennt. Nachdem man ein Schlüsselwort gelesen hat, wird es
mindestens einige Sekunden dauern, bis man zum nächsten
Schlüsselwort kommt. Je größer der zeitliche Abstand
zwischen den Schlüsselwörtern ist, umso geringer ist die
Chance, die korrekte Verknüpfung herzustellen.
- Die Schlüsselwörter werden räumlich getrennt. Wie beim
zeitlichen Abstand gilt: Je größer die Entfernung, umso
geringer ist die Chance einer korrekten Verbindung.
Dagegen bietet eine Mind Map eine Reihe von Vorteilen gegenüber den
linearen Aufzeichnungsformen:
- Die Zentral- oder Hauptidee wird deutlicher herausgestellt.
- Die relative Bedeutung jeder Idee tritt sinnfälliger in
Erscheinung. Wichtigere Ideen befinden sich in der Nähe des
Zentrums, weniger wichtige in den Randzonen.
- Die Verknüpfungen zwischen den Schlüsselbegriffen werden
durch ihre Linienverbindungen leicht erkennbar.
- Als Ergebnis werden Erinnerungsprozess und Wiederholungstechnik
effektiver und schneller.
- Die Art der Struktur erlaubt es, neue Informationen leicht und ohne
die Übersichtlichkeit störende Streichungen und
eingezwängte Nachträge unterzubringen.
- Jede Mind Map ist von jeder anderen nach Form und Inhalt deutlich
unterschieden. Das ist für die Erinnerung hilfreich.
- Im kreativen Bereich des Aufzeichnens, etwa bei der Vorbereitung
von Aufsätzen und Reden, erleichtert es das nach allen Seiten
offene Mind-Map-Schema, neue Ideenverknüpfungen herzustellen.
Ich überlasse es den Leserinnen und Lesern, sich ihre eigene Meinung
zu bilden; das gelingt natürlich am besten, wenn man beide Methoden
einmal ernsthaft ausprobiert - und das heißt: wenn man sich
überwindet, überhaupt mitzuschreiben! ;-))
3. Mitarbeit
Die meisten Rahmenrichtlinien verlangen heute von den Schülerinnen
und Schüler nicht nur ein rezeptives Lernen, sondern eine aktive
Teilnahme am Unterrichtsgeschehen. Die Zeugnis- und Versetzungsnoten
setzen sich oft zu gleichen Teilen aus den schriftlichen Leistungen und
den "sonstigen" Leistungen zusammen (mündliche Mitarbeit +
Hausaufgaben + eventuell Tests). Der Mitarbeit, dem aktiven Lernen, kommt
also ein hoher Stellenwert zu.
Aktiv lernen heißt:
- innere und äußere Selbstbeteiligung am Lernprozess
- zielbewusste Teilnahme am Unterricht durch Zuhören, Mitdenken,
Mitreden und Mitschreiben.
Vorzüge:
- Die Aufnahmebereitschaft wird erhöht.
- Die Verknüpfung neuer Lerninhalte mit bereits bekannten
Vorstellungen und Erfahrungen gelingt leichter. Dadurch wird die
Behaltensquote erhöht.
- Aktives Lernen erspart Zeit, die z.B. beim Anfertigen von
Hausaufgaben bzw. bei der Vorbereitung von Klassenarbeiten, Klausuren oder Prüfungen
gewonnen wird. Rein körperliche Anwesenheit reicht nicht ;-)
- Das Lernklima bessert sich. Nicht nur, dass der Lehrer oder die
Lehrerin lieber in eine Klasse geht, die "mitzieht"; auch die
Motivation innerhalb der Gruppe lässt sich durch aktive
Mitarbeit stärken.
Das TQ3L-Verfahren zur Mitarbeit
Ja, ja. Das war wieder einmal leichter gesagt als getan. Was kann ich denn
nun aber persönlich und ganz konkret tun? Gibt es dafür auch
eine Technik? Ja und nein. Mitarbeit hat ganz entscheidend mit der eigenen
inneren Einstellung zum Unterricht zu tun. Mit technischen Mitteln gegen
heftige innere Abneigungen anzukämpfen gelingt so gut wie nie. Aber
auf einen Versuch kann man es ja einmal ankommen lassen:
Oft verhilft nämlich ein Wechsel in der inneren Einstellung zum und
der Beteiligung am Unterricht zu Erfolgserlebnissen. Ich versuche, meine
Aufnahmebereitschaft mit der Methode TQ3L zu erhöhen und dadurch
aktiv zu lernen:
- Tune-In: Ich stimme mich auf das nun kommende Fach (positiv) ein.
- Question: Ich formuliere neugierige Fragen zum voraussichtlichen
Stundenthema und stimuliere dadurch mein Interesse.
- Look at the speaker: Ich schaue den Lehrer an, damit mir
Hervorhebungen (Gestik!) nicht entgehen.
- Listen: Ich höre genau hin; auch durch die Stimme macht der
Lehrer Hervorhebungen, die ich für die Mitschrift nutzen kann.
- Look over: Von Zeit zu Zeit überdenke ich das Gehörte: Ist
ein roter Faden noch erkennbar, oder verstehe ich nicht mehr, was ich
höre? Wenn ich mich langweile, versuche ich vorauszudenken. Wenn
ich anderer Meinung bin, sammle ich Gegenargumente und notiere sie.
Ich lerne so auf die Dauer, im Unterricht Wichtiges von Unwichtigerem zu
unterscheiden und meine Konzentration bei weniger Wichtigem
zurückzunehmen, ohne den roten Faden zu verlieren.
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